Food Miles and More

Obst - Miles and More

Obst - Miles and More

Food Miles geben an, welche Strecke ein Lebensmittel im Laufe seines Lebens vom Ort der Erzeugung bis an den Ort des Konsums zurücklegt, d. h. über welche Strecke ein Lebensmittel transportiert wird. Als Nachhaltigkeitsindikator im Rahmen der Nachhaltigkeitskommunikation sind Food Miles dafür benutzt worden, Aussagen über die ökologischen Vorteile kurzer Transportwege zu machen. Dabei wird vereinfachend unterstellt, dass ein importiertes Lebensmittel aufgrund des langen Transportweges bezogen auf den Klimawandel schlechter abschneidet, als ein vor Ort produziertes und verzehrtes Lebensmittel. Das schlechte Abschneiden importierter Ware wird auf die klimaschädlichen Gase der verschiedenen Verkehrsmittel beim Transport zurückgeführt.

Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um den Klimawandel muss man also zum Schluss kommen, dass regionale Lebensmittel unter dem Motto „Aus der Region und für die Region“ für das Klima stets günstiger zu bewerten sind als importierte Lebensmittel.

Aber so leicht ist es nicht. Mittlerweile ist die Nachhaltigkeitsdiskussion weiter vorangeschritten. Man erkennt das Konzept der Food Miles so zusagen als Wegbereiter an, aber als aussagekräftiger Indikator sind sie meistens zu pauschal und damit ungeeignet. Food Miles berücksichtigen beispielsweise nicht, mit welchen Verkehrsmitteln der Transport stattfindet. Bezogen auf die transportierte Menge bzw. das Fassungsvermögen, weisen Bahn, Schiff, LKW und Flugzeug erhebliche Unterschiede im Energieverbrauch und auch bei den Schademissionen auf. Auch machen Food Miles keine Angaben über Anbau-, Haltungs- oder Verarbeitungsprozesse. Regional erzeugte und konsumierte Lebensmittel verlieren außerdem ihren ökologischen Vorteil, wenn sie zum Beispiel auf Grund ihrer nur saisonalen Verfügbarkeit (z. B. Obst) lange in Kühlhäusern gelagert werden müssen. Im Vergleich damit kann der Import frischer Ware unter Umständen sogar günstiger für das Klima sein. Weitergehende Analysen sind daher notwendig. Eine Methode ist zum Beispiel die Ökobilanzierung (engl. Life Cycle Assessment). Hier werden Einflussfaktoren und ihre ökologische Wirkung systematisch berücksichtigt.

Bei der Ökobilanz gilt allerdings auch – wie bei der Beschäftigung mit der Nachhaltigkeit im Allgemeinen - stets möglichst das ganze System vom „Acker bis zum Teller“ zu betrachten. Auch ist zu beachten, dass die Nachhaltigkeit nicht nur auf der ökologischen Säule ruht. Auch die soziale und die ökonomische Säule tragen sie.

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Eine Antwort auf Food Miles and More

  1. Sehr wichtiges Schlusswort, da die sozialen und ökonomischen Konsequenzen beträchtlich sein können. Wenn die westliche Welt sich aus ökologischen Gründen nur noch für westliche Lebensmittel entscheidet, werden ärmere Länder, die z.T. ihre Lebensmittelexporte als Existenzgrundlage benötigen (z.B. zahlreiche Staaten in Afrika), verheerende soziale und ökonomische Auswirkungen zu spüren bekommen. Wie im Blog bereits sehr schön beschrieben müssen immer alle drei Säulen der Nachhaltigkeit in derartige Überlegungen mit einbezogen werden, da sonst eine gut gemeinte Initiative auch sehr schnell nach hinten losgehen kann.

    Mehr Informationen zu verschiedenen Bereichen der Nachhaltigkeit in der Ernährungswirtschaft (z.B. Lebensmittelsicherheit, Qualität, Globale Erwärmung), Indikatoren um diese Informationen messbar zu machen und Möglichkeiten diese Informationen kettenübergreifend zu modellieren, können in den Publikationen von Richard J. Lehmann unter http://uf.ilb.uni-bonn.de/uf/en/Staff/lehmann.html nachgelesen werden.

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