Die Vereinten Nationen (UN) haben das „Internationale Jahr der biologischen Vielfalt“ ausgerufen. Unter dem Motto „Biodiversität ist Leben – Biodiversität ist unser Leben!“ wollen sie die Aufmerksamkeit für die Bedeutung der biologischen Vielfalt stärken. Auf der Webseite des „International Year of Biodiversity“ betont der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, in einer kurzen Videobotschaft, dass das Verschwinden von Arten und Ökosystemen tief greifende Auswirkungen auf die Menschen haben werde und es daher neuer Visionen und Anstrengungen bedürfe, die biologische Vielfalt zu erhalten.
In Deutschland wird das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMVEL) unter dem Motto „Biologische Vielfalt – Schutz durch Nutzung“ eine Reihe von Veranstaltungen und Aktionen durchführen. Der erste Beitrag dazu ist ein Kalender zur Agrobiodiversität 2010 im Internetauftritt des BMELV. Der Monat „Januar 2010“ ist beispielsweise den heimischen Baumarten gewidmet.
Offiziell eröffnet wird das internationale Jahr der biologischen Vielfalt am kommenden Montag in Berlin.
Mit der Biodiversität steht ein weiteres Thema neben dem Klimawandel im Rampenlicht der politischen Diskussionen um die Nachhaltigkeit und die nachhaltige Entwicklung. In der Tat sind Biodiversität und Klimawandel wichtige Positionen auf der weltweiten Politikagenda. Aber wie so oft stehen nationale Interessen gemeinsamen Lösungen im Weg.
Außerdem sind die Systemzusammenhänge komplex und beeinflussen einander. Die Erzeugung regenerativer Energien mit Hilfe von Biogasanlagen beispielsweise mag einen positiven Einfluss auf die Klimabilanz haben, aber ihr Einfluss auf die biologische Vielfalt bzw. auf die Agrobiodiversität muss kritisch hinterfragt werden. Aufgrund zunehmender Investitionen in diesen Bereich wächst der Flächenbedarf für nachwachsende Rohstoffe. In vielen Gebieten nimmt Mais in den Fruchtfolgen zu und verdrängt damit andere Kulturen und Grünland. Wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mitteilt, hat dort die Maisfläche seit dem Jahr 2003 um fast 150.000 Hektar zugenommen. Diese Zunahme hat seinen Grund auch in der politischen Entscheidung zur Förderung regenerativer Energien. Diese Entscheidung wirkt sich jetzt aus.
Wirklich beitragen zur biologischen Vielfalt, kann jedoch jeder. Dazu darf man jedoch nicht immer nur auf den niedrigsten Preis für Lebensmittel schielen. Anstatt des üblichen Schnitzels vom Hybridschwein, sollte man ruhig auch mal zu einer Alternative greifen. Besonders dann, wenn man dadurch bedrohte Arten schützen kann. Also, wieso nicht mal auch in ein Schnitzel beißen, dass vom Bentheimer Landschwein oder vom rotbunten Husumer Schwein stammt. Eine gesteigerte Nachfrage nach diesen regionalen Spezialitäten würde die Haltung und Erhaltung dieser Tiere lukrativer und nachhaltiger machen. Ein köstlicher Beitrag zur biologischen Vielfalt im wahrsten Sinne. Also: Guten Appetit.



