Die Kosten für ein Qualitätszertifikat und die dafür notwendigen Audits sind zum Teil enorm. Die organisatorischen Anpassungen und Dokumentationspflichten hängen vom betreffenden Qualitätsstandard ab und sind ebenfalls nicht ganz unerheblich. Und dennoch, viele Unternehmen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft nehmen die Mühen und Kosten auf sich, um sich zertifizieren zu lassen.
Allerdings werden gerade die vorgeschriebenen Dokumentationspflichten nach verbreiteter Ansicht oft als zu bürokratisch und als Zusatzaufwand empfunden, der vom Markt nur in seltenen Fällen mit höheren Preisen honoriert wird. Das heißt Qualitätsstandards und Qualitätszeichen rufen hier und da bei den Verantwortlichen negative Gefühle auf den Plan. Daraus folgt im schlimmsten Fall, dass die Qualitätsvorgaben nur halbherzig in den Unternehmen umgesetzt und vor allem gelebt werden.
Trotzdem nimmt die Anzahl der Qualitätsstandards und Qualitätszeichen seit Jahren zu. Dies ist, wie es scheint, eine paradoxe Situation. Aber auf dem zweiten Blick wird einiges klarer. Qualitätszertifikate und Qualitätszeichen haben eine Signalwirkung. Sie vereinen eine ganze Reihe nachprüfbarer Qualitätskriterien unter einem Dach und machen sie dadurch nachvollziehbarer. Damit tragen sie zur Qualitätskommunikation bei.
Darüber hinaus ist es jedoch auch ganz interessant zu hören, dass Qualitätszeichen unter gewissen Umständen glücklich machen und doch zu einer höheren Zahlungsbereitschaft führen können. In einer Pressemitteilung teilt die Universität Bonn dazu mit, dass es Forschern gelungen ist, bei Probanden Gehirnreaktionen zu messen, die durch den Anblick des Bio-Siegels ausgelöst werden.
Forscher der Universitäten Bonn und Greifswald haben mit Hilfe von Hirnscans zeigen können, dass Teile des Belohnungssystems im Gehirn durch das Bio-Siegel stimuliert werden. Die gleichen Hirnareale sind auch aktiv, wenn der Mensch angenehme Erfahrungen macht. Offenbar ist die Wirkung des Bio-Siegels am stärksten bei den Versuchspersonen ausgeprägt, die auch im realen Leben Bioprodukte kaufen, d. h. bei Menschen, die den Bio-Lebensmitteln von Haus aus positiver gegenüberstehen. Im Rahmen des Experiments wurde auch die Zahlungsbereitschaft der Probanden für Bio-Lebensmittel abgefragt. Nach einer vierstündigen „Fastenkur“ war die Zahlungsbereitschaft für Lebensmittel, die mit dem Bio-Siegel gekennzeichnet waren, bis zu 45 % höher als für Lebensmittel ohne Siegel.
Ohne zu viel in die Forschungsergebnisse interpretieren zu wollen, wirft das die Frage auf, ob das betriebliche Qualitätsmanagement verbessert werden kann, wenn die Einstellung der Qualitätsbeauftragten gegenüber den Dokumentationspflichten verbessert werden kann ? Vielleicht hilft es dabei, zu wissen, dass ein Qualitätszeichen andere Menschen glücklicher machen kann und das ist doch nicht schlechtes, oder?



